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Ethikfrage im US-Life-Settlement-Geschäft verliert an Bedeutung

US Life Settlements

Die Ethikvorstellung im Zusammenhang mit dem Kauf von Risikolebensversicherungen stammt überwiegend noch aus den 1980er-Jahren. Zu dieser Zeit haben hauptsächlich HIV-Infizierte oder Patienten mit Restlebenserwartungen von weniger als zwei Jahren ihre Behandlungskosten über den Verkauf ihrer Policen finanziert. Damals profitierten die Anleger von der Notsituation der Versicherten und davon, dass der Markt stark intransparent war und sich erst noch entwickeln musste. Seither hat sich vieles geändert, auch die ethische Sichtweise auf US Life Settlements.

Ethikvorstellung von US Life Settlements und anderen Geschäftsmodellen

Es gibt viele Geschäftsmodelle mit dem Ableben eines Menschen als zentralem Faktor, die gesellschaftlich und ethisch akzeptiert sind. So profitieren Bestattungsinstitute, Friedhofsbetreiber oder Krematorien von erhöhter Sterblichkeit, sei es durch Kriege, Naturkatastrophen oder den Ausbruch tödlicher Krankheiten. Auch in den Pensionskassensystemen hat die Entwicklung der Sterblichkeit einen entscheidenden Einfluss. Je früher die Mitglieder versterben, desto mehr profitieren die Verbleibenden. Auch dieses Geschäftsmodell wird nicht als unethisch bezeichnet.

Was bedeuten Prognosen der Lebenserwartung aus ethischer Sicht?

Die Abweichung der tatsächlichen von der erwarteten Lebenserwartung des Versicherten ist das größte Risiko für Anleger in Zweitmarkt-Lebensversicherungspolicen. Lebenserwartungsprognosen beinhalten hohe Unsicherheiten, das Langlebigkeitsrisiko wird durch die Abweichung der aktuarischen Lebenserwartung beschrieben und quantifizert. Die Abweichung drückt sich sowohl in Früh- als auch Spätsterblichkeit aus. Daraus den Vorwurf abzuleiten, dass Anleger bei einem frühzeitigen Ableben einen unethischen Gewinn abschöpfen, geht fehl - denn das Risiko (Varianz) wirkt in beide Richtungen. Grundsätzlich erfolgt der Einkauf der Lebensversicherungspolicen unter der Annahme der gegebenen Lebenserwartung und ist damit gerade keine Wette auf einen frühen Tod. Das Argument, verfrühtes Ableben erzeuge ein Ethikproblem, ist nicht haltbar, da der statistische Mittelwert wie in jeder anderen Anlageklasse Volatilität und somit Abweichungen enthält. Es handelt sich somit nicht um eine Wette auf ein vorzeitiges Ableben.

Mit US Life Settlements in kurze Lebenserwartungen investieren?

Handeln Anleger ethisch, wenn sie ausschließlich in kurze Lebenserwartungen investieren, also in Policen älterer oder kranker Menschen? Mit fortschreitendem Alter des Versicherungsnehmers steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die ursprünglich für den Abschluss der Police vorliegenden Gründe nicht mehr gegeben sind. So kann die begünstigte Person zwischenzeitlich selbst verstorben sein oder Änderungen der Lebensumstände führen dazu, dass ein Weiterführen der Police nicht mehr sinnvoll ist. Der Verkauf einer Police von älteren oder kranken Menschen erfolgt somit nicht notwendigerweise aus einer Zwangssituation. Allein die Tatsache, dass es sich bei diesen Policen um kürzere Lebenserwartungen handelt, macht den Kauf nicht unethisch, denn eine kurze Lebenserwartung führt nicht automatisch zu einer Zwangsverkaufssituation.

Profit durch finanzielle Notlagen?

Die versicherte Person kann wegen geänderter Lebensumstände in eine finanzielle Zwangslage geraten, die den Verkauf der Police begünstigt, wie zum Beispiel durch eine Finanzmarktkrise, Arbeitslosigkeit oder eine Scheidung. Inwieweit der Verkauf einer Lebensversicherungspolice in Betracht gezogen wird, hängt stark vom Absicherungsbedürfnis des Versicherungsnehmers ab, was beim Verkauf vorhandener Vermögenswerte die Priorisierung leitet. Jedoch stellt die Verkaufsmöglichkeit einer Police eine willkommene Option dar, wenn andere Wege zur Generierung von liquiden Mitteln bereits ausgeschöpft sind. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass durch einen Policenverkauf ebenfalls die zukünftigen Prämienzahlungsverpflichtungen wegfallen. Da der Käufer die Verkaufsabsicht des Verkäufers beziehungsweise seine finanziellen Verhältnisse nicht kennt, kann diese Information nicht beim Einkauf eingepreist werden. Somit werden Policenverkäufer mit finanziellen Problemen nicht schlechter gestellt. Und somit führt allein die Tatsache, dass Verkaufsdruck herrscht, noch nicht zu einem Ethikproblem.

Sonderfall Notverkauf aufgrund unerwarteter Diagnose, die zum schnellen Ableben führt

Die Diagnose einer schweren Erkrankung kann den Versicherten ganz unerwartet und plötzlich vor hohe finanzielle Herausforderungen für Behandlung und Pflege stellen. Da der Käufer einer Versicherungspolice den Gesundheitszustand kennt, wird von Kritikern unterstellt, dass der Käufer im Bewusstsein dessen den Verkaufspreis zuungunsten der versicherten Person weiter drückt. Gleichzeitig kann der Versicherte aber auch seinen Gesundheitszustand absichtlich schlecht darstellen, um eine kurze Lebenserwartung zu suggerieren und damit zu einer hohen Auszahlung zu gelangen. Eine klare Beurteilung, wer in einem konkreten Falle in der stärkeren Position steckt, ist schwierig. Die Risiken für Käufer und Verkäufer sind gerechter verteilt, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Allerdings sind die Auswirkungen, wenn das Risiko falsch eingeschätzt wird, für beide Seiten gravierend.

Früher war der Markt beziehungsweise die Nachfrageseite im Vorteil, denn der Verkaufsdruck traf auf folgende Umstände: Aufgrund mangelnder Informationen konnte der Verkäufer den Preis der Police nicht einschätzen. Aufgrund unzureichender Regulierung bestand damals die Gefahr, dass Makler und Broker die Interessen des Verkäufers nicht vollumfänglich wahrgenommen haben (Stichwort: Provisionen). Dazu kam noch das Unwissen der Verkäufer, welche nicht um die Existenz eines US-Life-Settlement-Marktes wussten. Somit profitierten Käufer von der Tatsache, dass Zwischenhändler keine oder nur unzureichende Konkurrenzangebote einholten. Ferner war die Konkurrenzsituation unter den Käufern noch schwach ausgeprägt. Doch wichtig ist auch zu beachten, dass der Anteil der sogenannten "Viaticals" (krankheitsbedingte Lebenserwartung kleiner als zwei Jahre) lediglich circa drei Prozent des Gesamtmarktes ausmacht.

Erhöhte Transparenz, gestiegene Liquidität und verstärkte Regulierung machen Ethikfrage obsolet?

Der Weg der Police an den Markt ist heute reguliert. Der Versicherungsmakler hat im besten Interesse des Verkäufers zu handeln und folgt dem Prinzip der "Best Execution". Auch besteht der US-Life-Settlement-Markt heute aus einer Vielzahl von Anbietern und Nachfragern, die ihre Policen auf einem geregelten OTC-Markt handeln. Dieser ist um ein Vielfaches größer als noch vor zehn Jahren. Somit trifft ein Verkäufer auf eine Vielzahl von Nachfragern, was es ihm ermöglicht, den höchstmöglichen Verkaufspreis zu realisieren, der zudem um ein Vielfaches höher ist als der von der Versicherung angebotene Rückkaufswert.

Die etablierte Regulierung des Sekundärmarktes und die verstärkten Aufklärungsbemühungen von Branchenverbänden und Providern gegenüber den Versicherungsnehmern führten zu einem starken Anstieg des Policenangebots und zu einer vermehrten Akzeptanz unter den Anlegern. Einen wesentlichen Anteil daran hat auch die gestiegene Anzahl von unabhängigen Research-Anbietern, die zwischenzeitlich über umfassendes empirisches Datenmaterial über Policen und Transaktionen verfügen. Dies war die Grundvoraussetzung, dass sich die Wissenschaft vermehrt mit der Anlageklasse der Life Settlements beschäftigte. Bekannte Forschungsinstitute in diesem Bereich sind die Universität St. Gallen (HSG) und die Universität Ulm. Grundsätzlich gilt: Je größer, liquider und transparenter der Markt für solche Policen ist, desto mehr tritt die Ethikproblematik in den Hintergrund. Aufgrund der heutigen Ausprägung des US-Life-Settlement-Marktes kann ein Käufer keinen Zwang oder Druck auf den Verkäufer ausüben, da herkömmliche Marktmechanismen und Handelsbedingungen, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, vorhanden sind. Ein wesentlicher Treiber für die Weiterentwicklung der Anlageklasse US Life Settlements ist das Vorhandensein aktueller Policen und Transaktionsdaten, womit der Schritt zur Bewertung von Policen zu Marktpreisen ermöglicht wird.