advertorial

Die gemeinnützige GmbH als Alternative zu Verein und Stiftung

Steuerberater Berlin Gemeinnützigkeit

Gemeinnützige GmbHs bieten oft die gleichen Steuervergünstigungen wie Vereine und Stiftungen bei deutlich geringerem Aufwand. Hierüber wurde mit der Rechtsanwältin Devantier-Stern und dem Steuerberater Patrick Straßer ein Interview geführt.

Frage: Vereine und Stiftungen sind die in Deutschland bekanntesten Rechtsformen für gemeinnützige Einrichtungen. Sind das immer die geeignetsten Rechtsformen oder welche Alternativen dazu gibt es?

Devantier-Stern: Als Alternative bieten sich auch die GmbH oder die UG (haftungsbeschränkt) an. Nach wie vor ist wenig bekannt, dass auch eine GmbH oder UG den Gemeinnützigkeitsstatus erreichen kann und so zum Beispiel Spenden empfangen und Spendenquittungen ausstellen kann. Es gibt daher viele Rechtsformen, die als gemeinnütziger Träger infrage kommen. Wer einen gemeinnützigen Zweck wie etwa Kunst, Sport, Bildung oder Umweltschutz fördern möchte, sollte sich vorher genau überlegen, in welcher Rechtsform dies geschehen soll.

Straßer: Den begehrten Gemeinnützigkeitsstatus kann nur eine juristische Person erhalten, wie der e. V., die Stiftung oder die GmbH/UG. Personengesellschaften wie eine GbR oder KG sowie natürliche Personen können dagegen nicht als gemeinnützig anerkannt werden.

Frage: Lässt sich die Rechtsform einer gemeinnützigen Einrichtung im Nachhinein ändern?

Straßer: Grundsätzlich kann man die Rechtsform später noch ändern und etwa einen Verein in eine gemeinnützige GmbH umwandeln. Möglich ist das durch die Sonderregelungen im Umwandlungssteuergesetz. Umwandlungen sind teuer und sehr zeitaufwendig, daher kann man vor übereilter Festlegung bei der Rechtsform nur warnen. Oft zeigt sich, dass Vereine und Stiftungen als Rechtsform nicht die beste Wahl sind, um kleinere gemeinnützige Projekte umzusetzen, zumal eine gemeinnützige GmbH oder UG für die Gründer leichter handhabbar sind. Steuerlich gelten für die gemeinnützige GmbH/UG fast die gleichen Vorteile wie für Vereine und Stiftungen.

Frage: Wann ist eine gemeinnützige GmbH oder UG sinnvoll?

Straßer: Gerade bei überschaubaren gemeinnützigen Projekten, die jemand allein oder in einer kleinen Gruppe von zwei bis drei Personen auf die Beine stellen möchte und für die nur wenig Kapital benötigt wird, ist die GmbH oder die UG die ideale Rechtsform.

Devantier-Stern: Ganz genau. Wer etwa einen Verein gründen möchte, braucht mindestens sieben Mitgründer. Sehr oft werden aber kleinere gemeinnützige Projekte von ein bis drei Personen gestartet und da ist es hinderlich, wenn man dann noch weitere Personen suchen muss, um die Mindestzahl von sieben Personen für eine Vereinsgründung zu erreichen. Die Gründung einer Stiftung ist sogar noch aufwendiger, denn hierfür benötigt man die Anerkennung der Stiftungsaufsicht, die ein Mindestkapital von 50.000 bis zu 100.000 Euro für den Vermögensstock verlangt. Erst mit der staatlichen Anerkennung durch die Stiftungsaufsicht erlangt die Stiftung den Status einer juristischen Person. Wer für sein gemeinnütziges Projekt nicht viel Kapital benötigt oder einsetzen kann und nur mit wenig Gründern starten möchte, sollte sich daher lieber für eine gemeinnützige GmbH oder UG entscheiden.

Frage: Welche Steuervorteile hat eine gemeinnützige GmbH oder UG?

Straßer: Das fängt schon mal damit an, dass eine gemeinnützige GmbH oder UG Spenden empfangen und darüber Spendenquittungen ausstellen darf, damit der Spender seine Spende steuerlich absetzen kann. Ferner ist eine gemeinnützige GmbH oder UG außerhalb eines eventuell vorhandenen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs von der Körperschafts- und Gewerbesteuer sowie vom Solidaritätszuschlag befreit. Viele Leistungen einer gemeinnützigen GmbH/UG sind zudem von der Umsatzsteuer freigestellt oder werden nur mit dem ermäßigten Steuersatz (sieben Prozent) besteuert.

Devantier-Stern: Hinzu kommt die Befreiung von der Schenkungs- und Erbschaftssteuer. Damit kann die GmbH/UG durch ihren Gemeinnützigkeitsstatus steuerfrei beschenkt werden oder steuerfrei erben.

Straßer: Aber nicht nur die steuerlichen Vorteile sprechen für diese Rechtsform. Bei einer GmbH/UG ist die Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft beschränkt. Gründer der GmbH/UG können als Angestellte für die Gesellschaft tätig werden und Gehalt bekommen. Die Anteile an der Gesellschaft lassen sich verkaufen (ohne Gewinn) oder man kann andere Personen oder andere gemeinnützige Einrichtungen an der eigenen GmbH oder UG beteiligen.

Devantier-Stern: Die gemeinnützige GmbH/UG ist eine anerkannte Rechtsform für Non-Profit-Organisationen.

Frage: Wie wird eine gemeinnützige GmbH/UG gegründet?

Devantier-Stern: Der Gründungsprozess ist sehr übersichtlich. Der erste Schritt besteht darin, mit einem Notar und Steuerberater eine Satzung (Gesellschaftsvertrag) zu entwerfen, die alle gemeinnützigkeitsrechtlichen Anforderungen beinhaltet, und diesen Entwurf mit dem Finanzamt vorabzustimmen, damit sichergestellt ist, dass die GmbH/UG auch wirklich als "gemeinnützig" anerkannt wird. So können formelle Mängel in der Satzung von vornherein ausgeschlossen und Mehrkosten sowie Zeitaufwand für "Reparaturen" an der Satzung vermieden werden. Ist das Finanzamt mit dem Satzungsentwurf zufrieden, kann dieser beurkundet werden. Dann ist nur noch das Stammkapital auf das neu einzurichtende Geschäftskonto der GmbH/UG einzubezahlen und auf die Handelsregistereintragung zu warten. Der Notar unterrichtet von sich aus auch das Finanzamt über die Gründung. Das Finanzamt meldet sich recht zügig mit einem umfangreichen Fragebogen für die steuerliche Registrierung bei den Gründern.

Frage: Wie unterstützen Steuerberater die Gründer von gemeinnützigen Non-Profit-Organisationen?

Straßer: Wird der Steuerberater frühzeitig in den Gründungsprozess einbezogen, kann er bei der Wahl der Rechtsform die jeweiligen Vor- und Nachteile aufzeigen und den Satzungsentwurf mit dem Finanzamt vorabstimmen. Später kann der Steuerberater bei der Erstellung der Buchführung und der Lohn- und Gehaltsabrechnungen helfen. Einmal im Jahr werden durch den Steuerberater der Jahresabschluss also die Bilanz mit der Gewinn- und Verlustrechnung und die Steuererklärungen erstellt.

Frage: Worauf sollte bei der Auswahl des Steuerberaters geachtet werden?

Straßer: Nicht jeder Steuerberater betreut gemeinnützige Organisationen. Gründer sollten sich daher vorher erkundigen, inwieweit der Steuerberater in diesem Bereich tatsächlich tätig ist. Empfehlenswert ist auch immer ein erstes unverbindliches Kennenlerngespräch in den Kanzleiräumen des Steuerberaters. In dem Gespräch sollte über die Art und Weise der Zusammenarbeit und die voraussichtlichen Kosten gesprochen werden. Da gemeinnützige Einrichtungen in der Regel nicht viel Geld für Steuerberater ausgeben können, sollte man auch darüber sprechen, inwieweit die Non-Profit-Organisation die Buchhaltung selbst erledigen kann. Die Experten der Kanzlei Wekel Straßer & Kollegen unterstützen Vereine darin, ihre Buchhaltung weitestgehend in Eigenregie vorzubereiten oder komplett selbstständig zu erstellen. So lassen sich Kosten sparen.

Abschlusswort: Vielen Dank für das freundliche Gespräch und die nützlichen Hinweise.

Weitere Informationen zu den Experten:

Frau Devantier-Stern ist Rechtsanwältin, Fachanwältin für Steuerrecht und Partner in der Kanzlei Wekel Straßer & Kollegen in Berlin. Sie verfügt über eine jahrelange Erfahrung in der Vereins- und Stiftungsbesteuerung, kennt alle Besonderheiten und kann diesbezüglich umfassend beraten.

Herr Patrick Straßer ist Diplom- Kaufmann (FH), Steuerberater und ebenfalls Partner in der Kanzlei Wekel Straßer & Kollegen. Herr Straßer hat zur Besteuerung von Gemeinnützigen Einrichtungen seine Diplomarbeit geschrieben und als Buch mit dem Titel "Besondere Besteuerungsprobleme von wirtschaftlich tätigen gemeinnützigen Körperschaften" veröffentlicht.

Wekel Straßer & Kollegen ist eine Partnerschaft von Steuerberatern in Berlin-Pankow mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Kanzlei betreut gemeinnützige Einrichtungen wie Sport-, Bildungs- und Kulturvereine, Schulträger, Kitas und Fördervereine sowie Behindertenwerkstätten, Forschungs-, Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen. Die Kanzlei wurde im April 2020 vom "Handelsblatt" als "Beste Steuerberater 2020" ausgezeichnet.